CD SATOR - Kompositionen von David Philip Hefti
Pressestimmen / Press reviews




telos TLS 125
David Philip Hefti:
(*1975)

DIARIUM für Violine solo (1999)
O, star! - Mosaik für Klarinette solo (2003)
Melencolia I - für Flöte, Schlagzeug und Klavier (2004)
SATOR - Konzert für Klarinette und Orchester (2002)

Interpreten:



Philippe Racine, Flöte (+Alt-Flöte)
Oliver Schnyder, Klavier
Stefan Tönz, Violine
Valentin Wandeler, Klarinette/Bassetthorn
Matthias Würsch, Schlagzeug
Zürcher Kammerensemble
Mitglieder des Collegium Novum Zürich
David Philip Hefti, Leitung



Neue Zürcher Zeitung
, 19. 04. 2007

Rückwärts in die Zukunft
Werke von David Philip Hefti


Das lateinische Wort "sator" besteht aus fünf Buchstaben und ergibt, rückwärts gelesen, das Wort "Rotas". Das 2002 komponierte Klarinettenkonzert "Sator" des Schweizers David Philip Hefti ist die erste Komposition seines fünfteiligen Sator-Zyklus. Die Zürcher Uraufführung mit dem Klarinettisten Valentin Wandeler, Mitgliedern des Collegium Novum Zürich und dem Zürcher Kammerensemble unter der Leitung Heftis, von der die vorliegende Live-Aufnahme stammt, bedeutete einen Markstein in der Karriere des jungen Komponisten. Das Werk lässt Umkehrungen auf verschiedenen Ebenen erkennen: In der Orchestereinleitung des ersten Satzes bewegt sich die Musik von einem turbulenten und dissonanten Geschehen zu einem geglätteten und harmonischen Ablauf. Der Schlusssatz dagegen beginnt mit einem Zitat des h-Moll-Präludiums aus Bachs "Wohltemperiertem Klavier", das allmählich von einem Zwölfton-Akkord zugedeckt wird. Zu solchen stilistischen Rückwärts- und Vorwärtsbewegungen kommt es auch in den drei Kammermusikwerken dieser CD. Das von Stefan Tönz wunderschön gespielte "Diarium" für Violine solo erinnert nicht nur im letzten Satz an Bach. Im Formalen geht Hefti gerne vom Lauten zum Leisen, vom Schnellen zum Langsamen. In "Melencolia I" folgt auf einen quirligen ersten Satz ein zweiter im Zeitlupentempo. Der Flötist Philippe Racine, der Schlagzeuger Matthias Würsch und der Pianist Oliver Schnyder realisieren diese unterschiedlichen Klangwelten mit Nachdruck.

Thomas Schacher



Der Spiegel
, 29. 01. 2007

David Philip Hefti: "Sator" (Telos)

Oft ist Formkunst etwas Mühevolles. Bei diesen raffinierten Experimenten mit Sonate, Fuge, Toccata oder Menuett aber spitzt man die Ohren. Zudem kann sich der Schweizer Hefti, 31, auf Meister ihres Fachs wie den Geiger Stefan Tönz oder den Klarinettisten Valentin Wandeler verlassen.

Johannes Saltzwedel



Cambridge University Press
Tempo
(vol. 62, issue 245, July 2008)

David Philip Hefti, born in 1975 in Zurich, spent his formative years partly in Switzerland, partly on the east coast of the USA. It is tempting to read more into this simple biographical fact than might be the case. His music can at first hearing can seem very much in the Austro-German, late-Modernist mould (nowhere has the Germanic Modernist aesthetic survived more intact today than in Switzerland). This former Rihm student certainly situates himself squarely in that tradition in numerous ways: the references to Bach in Diarium and SATOR, the compositional use of the 'Sator' palindrome, the utilization of dodecaphony, a delight in constructivism - all these draw demonstrably upon the legacy of Anton Webern and his Second Viennese fellows. But upon closer and repeated hearing, there is much discernible here that suggests a more Anglo-Saxon approach to a postmodern plurality.

The meatiest work on this CD is the clarinet concerto SATOR (a live recording, conducted by the composer, which has all the compelling pros of a live performance, yet none of the cons). Apart from demonstrating Hefti's subtle art of orchestration, it also confirms that he does not shy away from a sensuousness of harmony and timbre. Its final movement incorporates the B minor fugue from the first book of Bach's 48, skilfully orchestrated in Webernian Klangfarbenmelodie manner. At first hearing, I found the effect of this surprising, almost jarring, but subsequent hearings sufficed to dispel initial qualms.

Hefti is also a professional clarinettist (and can be heard in that capacity with his clarinet trio 'Ensemble Clarino' on Swiss Pan 51.701, released a couple of years ago, which includes his own lovely Counterpoints on 'Come, sweet death'). So it is no surprise that both SATOR and the solo piece O, star! demonstrate an intimate knowledge of the instrument's possibilities. But his Diario for solo violin is no less idiomatic. I cannot be the only person to find contemporary works for solo violin often overly cerebral, as if their composers were so keen to show how to overcome the problems posed by the medium that they forget that we are supposed to listen to the music too. Yet while I cannot claim to find Diario as compelling as the other works recorded here, Hefti nevertheless succeeds in keeping the listener's attention over the work's span of 15 minutes. This is no mean feat, and it is achieved not least thanks to his interpreter Stefan Tönz (also the work's dedicatee), whose performance displays virtuosity and musicality in equal measure. Indeed, it is to Hefti's credit that he has been able to gather several of the leading younger generation of Swiss musicians to record his works on this CD.

The highlight for me here is Melencolia I for flute, percussion and piano, especially its second movement with its striking tone colours, and the manner in which it conveys emotions at once intense and yet somehow held in balance. Perhaps typically, this is a four-part fugue - just one example of several on this CD where the composer's penchant for constructivism serves a purely aesthetic purpose, allowing one to forget about the construction, and hear only the music. Hefti's works are receiving ever more performances across Europe, Asia and the Americas, though this is the first CD devoted to him. On the strength of this one, it should be followed by many others.

Chris Walton



St. Galler Tagblatt
, 31. 01. 2007

Einsame Töne

Von David Philip Hefti (geb. 1975, St. Galler in Zürich) ist eine CD erschienen mit den vier Werken "Diarium" (1999) für Violine solo, "O, star!" (2003) für Klarinette solo, "Melencolia I" (2004) für Flöte, Schlagzeug und Klavier sowie "Sator" (2002) für Klarinette und Orchester. Melancholisch ist nicht nur das so betitelte Stück, die CD hat einen ausgesprochen traurigen Unterton. Das rührt von den einzelnen Instrumenten her, die Hefti ganz in den leeren Raum stellt oder aber in ein sehr zurückgenommenes Klangumfeld. Die Soli wirken fragil, suchend - obwohl sie geistig nicht allein stehen. Mit "Melencolia" bezieht sich Hefti zum Beispiel eng auf Dürer. Oder in "Sator" sind im Orchester Bach-Zitate eingearbeitet, während die Klarinette als Gegenpart mit Glissandi, 12-Ton-Sequenzen und Mikrointervallen spielt.

Eva Bachmann



Schweizer Illustrierte
, 30.12.2006

Klassik: Sator, Neue Musik von David P. Hefti

Die CD "Sator" des jungen Schweizer Komponisten David Philip Hefti beweist: Zeitgenössisches ist nicht nur Kopfmusik, sondern spricht auch Gefühle an, ist plastisch und spannend. Die vier Werke, von hervorragenden Schweizer Musikern gespielt, zeigen Hefti von verschiedenen Seiten. Stimmungsvoll ist die lange Violinsonate "Diarium", berührend das Klarinettensolo "O, Star!", zwischen Geräusch und Melodie fasziniert das Klarinettenkonzert "Sator". Neue Musik vom Besten!

Hans Uli von Erlach



Codex flores (www.codexflores.ch)
Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik,
02. 02. 2007

David Philip Heftis "Sator"

Der 1975 geborene David Philip Hefti ist Vertreter einer Generation junger Komponisten, die wie selbstverständlich über eine Vielzahl kompositorischer und formaler Mittel verfügen und diese auch unverkrampft und unideologisch zu nutzen verstehen - seien es Zwölftonverfahren, Collage, Klangzerlegungen, repetitive Muster, Zentraltontechnik, Zitate, postmoderne Stilmischungen oder gar postromantisches Expressivo. Hefti hat daraus eine farbige, klanglich und melodisch reichhaltige und packende Tonsprache entwickelt, die auch in grösseren Formen schlüssig wirkt.

Bei aller Klangsinnlichkeit und Expressivität schimmert in seiner Musik aber immer wieder durch, dass sein ästhetisches Credo letztlich in den konstruktiven und spekulativen Strömungen der abendländischen Kunstmusik zu finden ist. Darauf weisen nicht zuletzt die zahlreichen Querverbindungen zur Musik Bachs hin: In "Diarium" für Violine solo aus dem Jahr 1999, in die mit dem Satz "Quae regula" auch ein veritables musikalisches Rätsel hineingeheimnisst worden ist - zitiert er im Finale den Choral "Komm süsser Tod" und erinnert damit an einen im Geiste zweifelsohne Verwandten, nämlich Alban Berg, der in seinem Violinkonzert gegen Ende mit "Es ist genug" ebenfalls einen an den Tod gemahnenden Bach-Choral erklingen lässt. Im Schlusssatz des Klarinettenkonzertes "Sator" (2002) erklingt das h-Moll-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier als Klangfarbenmelodie, in einer Technik also, der Bergs Lehrer Schönberg seine Aufmerksamkeit zuwandte.

"Sator" ist aber auch ein Stichwort, das den konstruktiven Aspekt von Heftis Musik noch detaillierter charakterisiert. Das Wort, dessen Buchstaben im Solostück "O, star!" (2003) für Klarinette anders angeordnet sind, kennen Lateiner bestens aus dem vielfach symmetrischen Sinnspruch:

SATOR
AREPO
TENET
OPERA
ROTAS

("Sator Arepo tenet opera rotas" heisst etwa soviel wie "Der Sämann Arepo hält das Werk im Umlauf"). Dies wiederum verweist auch auf Albrecht Dürers rätselhaften Kupferstich "Melencolia", auf dem eine Fülle höchst geheimnisvoller und andeutungsreicher Objekte versammelt sind, darunter eben auch ein magisches Quadrat, dessen Hang zur Symmetrie in dem Sator-Quadrat ebenfalls anklingt.

Inspiriert von Dürers Bild ist Heftis "Melencolia I" (2004) für Flöte, Schlagzeug und Klavier, das angesichts der hermetischen Symbolhaftigkeit des Stiches eine schon fast simpel anmutende klangliche Beschreibung von Überarbeitung und Überspanntheit darstellt. Sie mündet in abgrundtiefe Melancholie (heute würde man das neudeutsch als "Burn out" bezeichnen), die in Heftis Klangkosmos nicht minder suggestiv ausfällt.

Der Komponist hat, was für derartige Musik ja schon sehr ungewöhnlich ist, das Glück, "Diarium" und "Sator" gleich zweimal auf CD gebrannt zu sehen (respektive zu hören). Auf einer früheren CD - sie kann wie die vorliegende über Heftis Webseite bestellt werden - ist neben den beiden Werken Kurt Weills Violinkonzert zu hören. Die "Sator"-Aufnahme der vorliegenden CD ist identisch mit derjenigen der früheren Einspielung, des Live-Mitschnitts eines Konzertes an der Musikhochschule Zürich vom 28. März 2003. "Diarium" ist von Stefan Tönz hingegen zweimal eingespielt worden: Am erwähnten Konzert und zwei Jahre später in der alten reformierten Kirche Zürich-Witikon. Letztere Aufnahme findet sich auf der hier besprochenen Silberscheibe.

Wolfgang Böhler, Chefredaktor



Fono Forum, 07/2007

Als wollte David Philip Hefti seinen ausgeprägten Expressionsdrang im Zaum halten, bedient er sich zur strukturellen Absicherung seiner Instrumentalmusik gern einer Vielzahl kontrapunktischer Techniken. Seine Affinität zu Bach liegt da quasi auf der Hand, erscheint in 'Diarium' für Violine solo als indirekte Affinität zu den Partiten, im Epilog des Klarinettenkonzerts 'Sator' als deutliches Zitat. Dass der einstige Rihm-Schüler vor allem von der solistischen Linie ausgeht, wird in allen Kompositionen evident und begründet auch die virtuose Rastlosigkeit und filigranen Klanggesten von 'Melencolia I' für Flöte, Schlagzeug und Klavier. Heftis hochexpressive Musik findet hier auf vorderster Stuhlkante statt.

Dirk Wieschollek




Swissdisc.ch - Das Neuste aus der Schweizer Musikproduktion, 07. 02. 2007

David Philip Hefti: "Sator"

Im Werk Sator vereint der Komponist David Philip Hefti vier Werke unterschiedlichsten Charakters, Harmonik und Rhythmik, die durch bemerkenswert farbenreiche Interpretationen zu einer abwechslungsreich vielschichtigen Einheit finden.

Charakteristisch an "Darium" für Violine Solo ist seine wellenartige und äusserst differenzierte Dynamik. Die virtuose Musik mündet in einem Klagelied, wobei die Grenzen zwischen Zwölfton- und Zentralton-Technik verschwimmen.

Im Mosaik "O, star!" für Klarinette bilden Kontraste das Wesensmerkmal der expressiven Musik: Auf eine lyrische Introduktion folgt ein virtuoser Abschnitt, der in einen von Klangfarbenwechsel und Mehrklängen beherrschten Teil mündet.

Die Komposition "Melencolia" für Flöte, Schlagzeug und Klavier nimmt Bezug auf den berühmten Dürer-Kupferstich, der ebenso in seiner Gegenständlichkeit als auch in seiner Deutung rätselhaft ist. Eingeleitet wird das Werk durch einen virtuosen Satz, der die Überanstrengung beschreibt, die schliesslich in die Melancholie führt, bevor sich das Werk - zunehmend geräuschhaft - auflöst.

Im Konzert "Sator" für Klarinette und Orchester, in dem sämtliche Teile des Werkes ihren rhythmischen, motivischen und harmonischen Ursprung in der Einleitung finden, wird das Soloinstrument vom Orchester nicht nur unterstützend getragen, sondern lehnt sich in wilden Passagen auch dagegen auf.

Michael Bühler



Clarino.print
, Ausgabe 3/07

David Philip Hefti, der junge Schweizer Komponist, hat sich in der Neuen Musik schon einen großen Namen gemacht. Auf dieser CD stehen seine Solowerke im Mittelpunkt: 'Diarium' für Violine solo - 'O, Star!' für Klarinette solo - 'Melencolia' für Flöte, Schlagzeug und Klavier - 'SATOR', Konzert für Klarinette und Orchester. Für einige seiner Kompositionen holt sich Hefti historische Inspiration. So klingt im Finalsatz von 'Diarium' Bachs Choral 'Komm, süßer Tod' an. Mit 'Melencolia' spielt er auf Albrecht Dürers Kupferstich an. Die Kompositionen von Hefti - ein nicht alltägliches Hörerlebnis.

Anneliese Schürer




Fondation SUISA pour la musique, 18. 04. 2007

David Philip Hefti est né en 1975 et il a choisi d'étudier la composition, la direction d'orchestre, la clarinette et enfin la musique de chambre, et cela à Winterthour, Zurich, Karlsruhe où il eut notamment comme maître le grand Wolfgang Rihm, Wolfgang Meyer, la clarinettiste suisse Elmar Schmid et le compositeur Gerald Bennett. Son catalogue d'oeuvres est déjà important et de nombreuses compositions sont éditées et, par conséquent, souvent jouées.

Le disque "Sator" qu'il vient de produire est en quelque sorte un portrait que ce compositeur est capable de démontrer. On y trouve tout d'abord Diarum, une composition de 1999 que Stefan Tönz interprète au violon seul. Puis, c'est au tour de Valentin Wandeler clarinette de nous proposer les pages de O, star !, oeuvre de 2003: une mosaïque pour clarinette solo. Puis, on découvre tour à tour Philippe Racine à la flûte soprano, à la flûte alto, Matthias Würsch à la percussion et Olivier Schnyder au piano dans les pages de Melencolia I, une composition de 2004. Le disque se conclut par un superbe Concerto pour clarinette et orchestre qu'interprète à nouveau Valentin Wandeler, tantôt à la clarinette, tantôt au cor de basset. Il est accompagné par le Zürcher Kammerensemble ainsi que des membres du collegium novum de Zurich; tous ces musiciens étant placés sous la direction de David Philip Hefti.

La découverte de ce disque a été pour nous une très agréable surprise car nous ne connaissions jusqu'ici que trop peu la musique du compositeur Hefti. Grâce à Sator, cette situation inconfortable est réparée, et nous souhaitons que David Philip Hefti poursuivre la belle carrière qu'il a entreprise.

Claude Delley, Directeur



www.davidphiliphefti.com