CD Schattenspie(ge)l
Kompositionen von David Philip Hefti
Pressestimmen / Press reviews




telos TLS 103
David Philip Hefti:
(*1975)

Schattenspie(ge)l (2006)
  
 Trio für Violine, Violoncello und Klavier
Ritus
(2007)
   
 4 Tanz-Collagen für Violoncello solo
Rosenblätter
(2007)
     
Liederzyklus für mittlere Stimme und Klavier

Interpreten:



Primoz Novsak, Violine
Thomas Grossenbacher, Violoncello
Keiko Tamura, Klavier
Judith Schmid, Mezzo-Sopran
Oliver Schnyder, Klavier



Die Aufnahme des Liederzyklus' "Rosenblätter" von David Philip Hefti wurde von der Redaktion Klassikmagazin von Schweizer Radio DRS2 in die Auswahl "Best of 2008" aufgenommen.

Schweizer Radio DRS2, 27. Dezember 2008
Sendung "Klassik-Magazin", Rubrik "Die neue Klassik-CD"

Best of 2008

"Der Ohrenspitzer ist das Werk eines jungen Schweizer Komponisten. Es ist ein Liederzyklus mit dem Titel "Rosenblätter" nach Gedichten von Rose Ausländer. Geschrieben hat ihn David Philip Hefti, ein noch junger Komponist mit Jahrgang 1975, der mit einer gewissen Leichtigkeit über die Mittel der Neuen Musik verfügt, sie aber durchaus traditionell - im besten Sinn - einsetzt. Ich würde also sagen, er hat einen Liederzyklus gleichsam in der Tradition von Schumann und Schönberg geschrieben. Die Mezzo-Sopranistin Judith Schmid wird am Klavier von Oliver Schnyder begleitet, der hier in den zwei ausgewählten Liedern [Nr. 10 "Himmel" und Nr. 11 "Das Schönste"] auch noch vokal in Erscheinung tritt."

Roland Wächter



www.davidphiliphefti.com



CD TENET - Kompositionen von David Philip Hefti
Pressestimmen / Press reviews




telos TLS 126
David Philip Hefti:
(*1975)

TENET - 4 Lieder für Sopran und Ensemble (2003)
Schattenklang - Adagio für Klavier (2006)
Mondschatten - für Violine und Marimba (2006)
O, star! II - Mosaik für Saxophon solo (2004)
Miroirs - für Violine und Klavier (1998)

Interpreten:



Rahel Cunz, Violine
Lars Mlekusch, Saxophon
Sylvia Nopper, Sopran
Jacqueline Ott, Marimba
Oliver Schnyder, Klavier
Stefan Tönz, Violine
Zürcher Kammerensemble
David Philip Hefti, Leitung



Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2008

Formelkünstler

Werke von David Philip Hefti auf CD

Der Zürcher Komponist David Philip Hefti geht in seinen Werken gerne von Formelhaftem aus. Sein fünfteiliger "Sator"-Zyklus verweist auf das lateinische Palindrom "Sator Arepo Tenet Opera Rotas". Die dritte Komposition des Zyklus, "Tenet", wurde 2003 komponiert und liegt nun auch auf CD vor. Die vier Lieder für Sopran und Ensemble werden unter der Leitung des Komponisten von Sylvia Nopper und dem Zürcher Kammerensemble interpretiert. Als Texte verwendet Hefti Lyrik der jüdischen Dichterin Else Lasker- Schüler. Der gesprochene Text des Prologs und des Epilogs, ein Text von 1939, benennt das Thema der herzlosen Welt und der Sehnsucht nach Nähe. In diesen Aussenteilen verwendet Hefti weitgehend die gleichen instrumentalen Motive, aber er tauscht die Instrumente, Lagen und Tempi aus. Formelhaftes gibt es auch in den Binnensätzen, beispielsweise Tempi, die im Verhältnis des goldenen Schnitts zueinander stehen, oder Harmonien, die von den Buchstaben "TENET" abgeleitet sind. Trotzdem erlebt der unbefangene Hörer diese Musik als ganz unmittelbar und ausdrucksstark. Zu verdanken ist dies ebenso sehr den Interpreten. Sylvia Nopper bewegt sich mit traumwandlerischer Sicherheit durch das Labyrinth der Töne, und das Zürcher Kammerensemble schafft eine atmosphärische Dichte, die zum Hinhören zwingt. Abgerundet wird die CD durch vier Instrumentalkompositionen für Solo- und Duobesetzung, die sich interpretatorisch ebenfalls auf hohem Niveau bewegen.

Thomas Schacher




Codex flores (www.codexflores.ch)
Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik,
31. 12. 2007

David Philip Hefti: "Tenet"

David Philip Hefti gehört zweifelsohne zu den grossen Talenten der jüngeren Schweizer Komponistengeneration. Er hat mit hoch expressiven Werken auf sich aufmerksam gemacht, die an Traditionen der Zweiten Wiener Schule und quer durch die Schulen beliebte Zahlen- und Wortspekulationen anknüpfen. Auch die auf der CD "Tenet" versammelten Werke reihen sich hier ein. "O, star! II" für Saxophon solo (Lars Mlekusch) kreist einmal mehr um den Sator-Zyklus des Zürcher Rihm-Schülers. "Schattenklang" für Klavier (Oliver Schnyder) kann laut eigenen Angaben Heftis als eine Art Schatten von Mozarts Adagio in h-Moll KV 540 angesehen werden. Die Idee, eine Art Negativ eines klassischen Werkes zu entwerfen, erinnert entfernt an Heinz Holligers fünf Stücke für Orgel und Tonband aus dem Jahr 1980, die ebenfalls ein Spiel aus Matrix und "Negativabdruck" darstellen. Mit Holliger teilt Hefti ja auch den Hang zum spielerisch-spekulativen Umgang mit dem Tonmaterial.

Wie die Solowerke ist auch das Duo "Mondschatten" für Violine und Marimba ein hochvirtuoses, den Ausführenden Rahel Cunz (Geige) und Jacqueline Ott (Marimba) auf den Leib geschriebenes Kleinod, das die ungewöhnliche Instrumentenkombination in verblüffende klangliche und dynamische Regionen führt. Das in pädagogischer Absicht - für ein Musik-Pädagogik-Seminar in Zürich - entstandene Duo "Miroirs" für Klavier und Violine fällt etwas aus diesem Rahmen. Es zeigt Hefti als geschickt agierenden Verfasser von ruhig fliessenden Dialogen, die eher an Minimal Music als den ihm sonst naheliegenden musikalischen Expressionismus gemahnt.

Das Herzstück der CD ist aber zweifelsohne "Tenet", das Hefti als dritten Teil seines fünfteiligen Sator-Zyklus' ausweist. Es handelt sich um einen Liederzyklus für Sopran (eine brillante Sylvia Nopper) und Ensemble (Zürcher Kammerensemble unter Leitung des Komponisten). "Tenet" ist im Auftrag der Schweizer Thyll-Dürr-Stiftung für das brasilianische Ensemble Mentemanuque geschrieben worden und ist ein echter Wurf. Der Zyklus überzeugt sowohl dank hoher formaler Geschlossenheit als auch der Meisterschaft in der klanglichen Umsetzung der zugrunde liegenden Gedichte Else Lasker-Schülers. Zahlreiche orchestrale Farben erweitern den expressiven Orchesterklang in die Extreme von Dynamik, Tonumfang und Klanglichkeit. Letztere scheint phasenweise Assoziationen an elektroakustische Musik oder die Musique Spectrale Gérard Griseys zu wecken und von der Singstimme als eine Art Cantus firmus zu einem stimmigen Ganzen gefasst zu werden. (cf)



Neue Zeitschrift für Musik, Ausgabe 06/2007

David Philip Hefti
Tenet / Schattenklang / Mondschatten / O, star! II / Miroirs
Telos TLS 126

"Und doch ist es kalt geworden und herzlos auf Erden, Menschen rücken näher zusammen, Seele lehnt sich bange an die andere." So leitete Else Lasker-Schüler einen Vortrag ein, den sie 1939 in Zürich hielt, kurz vor ihrer Emigration nach Palästina. Der Schweizer Komponist David Philip Hefti lässt von diesen Worten seinen Liederzyklus Tenet nach Gedichten von Else Lasker-Schüler umrahmen: fast tonlos und wie somnambul in den impulsiven Klangraum hineingesprochen, den die Musiker des Zürcher Kammerensembles unter seiner Leitung aufspannen. Von "Weltende" und "Weltflucht", aber auch von "Versöhnung" ist in diesen Liedern die Rede, deren oft von exaltierten Sprüngen durchsetzte Solostimme den Sopran Sylvia Noppers bei Stichworten wie "Stern" oder "Grenzenlosigkeit" in extreme Höhen führt.

Tenet ist Bestandteil eines umfangreichen fünfteiligen Werkzyklus für größere Besetzungen, den Hefti in Bezug zu dem alten magischen Spruch "Sator Arepo Tenet Opera Rotas" entwickelt hat. Aber auch sonst denkt Hefti in werkübergreifenden Konzepten: der Titel seines Stückes O, star! II für Saxofon solo aus dem Mosaik-Zyklus erweist sich, wenn auch andere wörtliche Deutungen nicht ausschließend, als Anagramm des Wortes SATOR. Auf das so überschriebene Klarinettenkonzert Heftis greift O, star! II zurück, konfrontiert dessen Material aber mit neuen Motiven und bildet eine betont expressive Musik, die vom Solisten unter anderem mikrotonale Färbungen und Multiphonics verlangt.

Dies aber ist bezeichnend für Heftis Komponieren: Der aktuelle Stand der instrumentalen Spieltechniken wird einbezogen, aber nicht zum Mittelpunkt oder Zweck der Werke. Heftis Musik entwickelt ihre Formen in einem durchaus traditionellen Sinn als dynamischer Spannungsbogen, der in Begrifflichkeiten von Ruhe und Erregung, Beschleunigung und Ermattung, Konzentration und Dissoziation zu fassen ist. Exemplarisch hierfür mag Mondschatten für Violine und Marimba stehen, in dem sich aus fragmentarischen Ansätzen allmählich kohärente Verläufe entwickeln, bis beide Instrumente sich zu einem wilden Tanz vereinen, in den wiederum jähe Pausen und kontemplative Zonen eingesprengt sind.

Heftis Werkverzeichnis weist ihn auch als Bearbeiter von Werken Bachs und Mozarts aus. Als Echo dieser Tätigkeit kann man seine Komposition Schattenklang verstehen, ein "Adagio für Klavier", das sich auf Mozarts h-Moll-Adagio KV 540 bezieht, dessen Motive fragmentarisch im dunklen, clusternahen Anfang von Heftis Komposition aufscheinen.

Ergänzt wird die CD-Einspielung durch die Komposition Miroirs für Violine und Klavier: ein ruhig erzählendes Stück, dessen kontrapunktische Strukturen einmal mehr die Verankerung von Heftis Kunst in den Kompositionsverfahren der europäischen Musikgeschichte zeigen.

Gerhard Dietel



Schweizer Musikzeitung, Ausgabe 7/8 Juli/August 2008

David Philip Hefti: à suivre

Le jeune et prolifique compositeur zurichois David Philip Hefti est déjà très établi dans la région alémanique et a fait déjà de nombreuses apparitions sur la scène internationale. Son dernier disque "TENET" présente la troisème partie d'un cycle inspiré du carré magique "Sator Arepo". Cet anagramme-palindrome, symbole des multiples renversements possibles d'un motif musical avait déjà inspiré Anton Webern. Si pourtant David Philip Hefti compose sa musique de façon mathématique, le résultat n'en garde rien de stérile ou d'artificiel. Le discours musical jaillit de façon spontanée, l'expression et la rhétorique restent au premier plan. L'instrumentation reste classique, sans addition d'instruments électroniques ou exotiques.

"TENET" est une mise en musique de poèmes expressionistes de Else Lasker-Schüler pour soprano et orchestre; la musique, atonale et colorée, suit de très près le texte torturé, se faisant même descriptive par endroits pour l'illustrer: une oeuvre poignante et d'une grande unité. La soprano Sylvia Nopper à la voix d'une pureté parfaite et d'une profonde intelligence est une interprète idéale.

Quatre pièces intrumentales en solo ou en duo complètent le CD, et David Philip Hefti a su rassembler des interprètes de première qualité pour les mettre en valeur. Ne reculant pas devant certains effets de virtuosité (tremolos et arpèges au violon), il exploite les possiblités propres à chaque instrument, mais renonce aux effets avantgardistes.

Pierre-Alain Chamot



Schweizer Radio DRS2, 19. Januar 2008
Sendung "Klassik-Magazin", Rubrik "Die neue Klassik-CD"

CD TENET, Werke von David Philip Hefti

"David Philip Hefti lebt in Zürich und hat in letzter Zeit immer wieder mit seinen Stücken auf sich aufmerksam gemacht, z.B. in Aufführungen mit dem Zürcher Kammerensemble. Seine Werke werden von einem renommierten deutschen Verlag verlegt, was für einen Schweizer Komponisten ziemlich aussergewöhnlich ist. Das Kernstück dieser CD mit fünf Werken Heftis heisst 'Tenet' und ist der dritte Teil eines gross angelegten Zyklus'. In 'Tenet' hat er vier Gedichte der jüdischen expressionistischen Dichterin Else Lasker-Schüler für Sopran und Ensemble vertont. Diese Musik ist zwar absolut zeitgenössisch, wohl aber für mich als Hörerin gut zu erschliessen. Das liegt vielleicht daran, dass die Musiksprache dieses Komponisten expressiv ist. Er vertont diese Gedichte sehr genau, auch mit komplexen Kompositionstechniken. Seine Musik darf manchmal aber auch dramatisch oder bildhaft sein, etwa wenn 'die Gedanken sich kräuseln', wie es bei Lasker-Schüler heisst. 'Tenet' wird gespielt vom Zürcher Kammerensemble unter der Leitung des Komponisten und gesungen von der Sopranistin Sylvia Nopper, einer der meistbeschäftigten Stimmen, wenn es um zeitgenössische Musik geht - und auch einer der besten."

Annelis Berger



Die Südostschweiz
, 29. 11. 2007
Kultur

Eine reichhaltige und packende Tonsprache


Zeitgenössische Musik muss nicht klinisch und konstruiert sein - der junge Zürcher Komponist David Philip Hefti zeigt mit seiner kürzlich erschienenen CD "Tenet", dass die musikalische Avantgarde durchaus emotional anklingen kann und berührt. "Tenet" ist die zweite CD seines geplanten fünfteiligen Sator-Zyklus, der beim Musikverlag Kunzelmann weltweit vertrieben wird.

Der 32-jährige Komponist und Dirigent, der dieses Jahr den ersten Preis des renommierten George-Enescu-Wettbewerb für Komposition entgegennehmen durfte, hat für das Stück "Tenet" vier Gedichte der jüdischen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869-1945) vertont. "Die Musik interpretiert und unterstützt den Text", erklärt Hefti, dem es gelungen ist, Lasker-Schülers Sprache gerecht zu werden. Ihre Sprache ist eine zutiefst melancholische, schwermütige - eine Sprache, die dem Komponisten durchaus nahe ist. Auch seine Klangsprache hat stets einen dunklen und düsteren Ausdruck. "Mich interessiert die Todesnähe, nicht ein Frohlocken", so der Zürcher, der Lasker-Schülers "berührende Poesie" unverändert übernommen hat. Die Lieder für Sopran und Ensemble "Tenet" haben ihre Premiere im letzten Jahr durch die Solistin Sylvia Nopper im Rahmen des 13. Else-Lasker-Schüler-Forums in Zürich erhalten, begleitet vom Zürcher Kammerensemble unter Heftis Leitung.

Nebst der Komposition "Tenet" (2003) sind mit "Schattenklang" (2006), "Mondschatten" (2006), "O, star! II" (2004) und "Miroirs" (1998) vier weitere Stücke auf der CD enthalten. Mit "Mondschatten", einem Duo für Violine und Marimba, schliesst Hefti den Kreis zu "Tenet". Er hat sich für diese Komposition von dem Gedicht "Abendland" des österreichischen Lyrikers Georg Trakl (1887-1914) inspirieren lassen - ein Gedicht, das Trakl einst Else Lasker-Schüler gewidmet hat. Die Komposition "Schattenklang - Adagio für Klavier" bezieht sich eng auf Mozarts Adagio in h-Moll KV 540. Es ist ein Schatten davon. Der langsame, dunkle Anfang lässt ab und zu einige helle (Mozart-)Motive durchschimmern, um sie sogleich wieder zu verschlucken.

Hefti, der in St. Gallen, Zürich und Washington D.C. aufgewachsen ist, hat bereits die grossen internationalen Bühnen betreten. Er lebt als freischaffender Musiker in Zürich. Sein Oeuvre reicht von der Kammermusik über Ensemblekompositionen bis hin zu Werken für Orchester und stösst im In- und Ausland auf grosse Resonanz. Seine Musik bewegt sich stets nahe am Abgrund, will den Zuhörer aber nicht in die Tiefe reissen, sondern packen, in ihm etwas auslösen: den Ton im Innern treffen. Das ist mit "Tenet" einmal mehr gelungen.

Larissa Margot Bieler




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CD SATOR - Kompositionen von David Philip Hefti
Pressestimmen / Press reviews




telos TLS 125
David Philip Hefti:
(*1975)

DIARIUM für Violine solo (1999)
O, star! - Mosaik für Klarinette solo (2003)
Melencolia I - für Flöte, Schlagzeug und Klavier (2004)
SATOR - Konzert für Klarinette und Orchester (2002)

Interpreten:



Philippe Racine, Flöte (+Alt-Flöte)
Oliver Schnyder, Klavier
Stefan Tönz, Violine
Valentin Wandeler, Klarinette/Bassetthorn
Matthias Würsch, Schlagzeug
Zürcher Kammerensemble
Mitglieder des Collegium Novum Zürich
David Philip Hefti, Leitung



Neue Zürcher Zeitung
, 19. 04. 2007

Rückwärts in die Zukunft
Werke von David Philip Hefti


Das lateinische Wort "sator" besteht aus fünf Buchstaben und ergibt, rückwärts gelesen, das Wort "Rotas". Das 2002 komponierte Klarinettenkonzert "Sator" des Schweizers David Philip Hefti ist die erste Komposition seines fünfteiligen Sator-Zyklus. Die Zürcher Uraufführung mit dem Klarinettisten Valentin Wandeler, Mitgliedern des Collegium Novum Zürich und dem Zürcher Kammerensemble unter der Leitung Heftis, von der die vorliegende Live-Aufnahme stammt, bedeutete einen Markstein in der Karriere des jungen Komponisten. Das Werk lässt Umkehrungen auf verschiedenen Ebenen erkennen: In der Orchestereinleitung des ersten Satzes bewegt sich die Musik von einem turbulenten und dissonanten Geschehen zu einem geglätteten und harmonischen Ablauf. Der Schlusssatz dagegen beginnt mit einem Zitat des h-Moll-Präludiums aus Bachs "Wohltemperiertem Klavier", das allmählich von einem Zwölfton-Akkord zugedeckt wird. Zu solchen stilistischen Rückwärts- und Vorwärtsbewegungen kommt es auch in den drei Kammermusikwerken dieser CD. Das von Stefan Tönz wunderschön gespielte "Diarium" für Violine solo erinnert nicht nur im letzten Satz an Bach. Im Formalen geht Hefti gerne vom Lauten zum Leisen, vom Schnellen zum Langsamen. In "Melencolia I" folgt auf einen quirligen ersten Satz ein zweiter im Zeitlupentempo. Der Flötist Philippe Racine, der Schlagzeuger Matthias Würsch und der Pianist Oliver Schnyder realisieren diese unterschiedlichen Klangwelten mit Nachdruck.

Thomas Schacher



Der Spiegel
, 29. 01. 2007

David Philip Hefti: "Sator" (Telos)

Oft ist Formkunst etwas Mühevolles. Bei diesen raffinierten Experimenten mit Sonate, Fuge, Toccata oder Menuett aber spitzt man die Ohren. Zudem kann sich der Schweizer Hefti, 31, auf Meister ihres Fachs wie den Geiger Stefan Tönz oder den Klarinettisten Valentin Wandeler verlassen.

Johannes Saltzwedel



Cambridge University Press
Tempo
(vol. 62, issue 245, July 2008)

David Philip Hefti, born in 1975 in Zurich, spent his formative years partly in Switzerland, partly on the east coast of the USA. It is tempting to read more into this simple biographical fact than might be the case. His music can at first hearing can seem very much in the Austro-German, late-Modernist mould (nowhere has the Germanic Modernist aesthetic survived more intact today than in Switzerland). This former Rihm student certainly situates himself squarely in that tradition in numerous ways: the references to Bach in Diarium and SATOR, the compositional use of the 'Sator' palindrome, the utilization of dodecaphony, a delight in constructivism - all these draw demonstrably upon the legacy of Anton Webern and his Second Viennese fellows. But upon closer and repeated hearing, there is much discernible here that suggests a more Anglo-Saxon approach to a postmodern plurality.

The meatiest work on this CD is the clarinet concerto SATOR (a live recording, conducted by the composer, which has all the compelling pros of a live performance, yet none of the cons). Apart from demonstrating Hefti's subtle art of orchestration, it also confirms that he does not shy away from a sensuousness of harmony and timbre. Its final movement incorporates the B minor fugue from the first book of Bach's 48, skilfully orchestrated in Webernian Klangfarbenmelodie manner. At first hearing, I found the effect of this surprising, almost jarring, but subsequent hearings sufficed to dispel initial qualms.

Hefti is also a professional clarinettist (and can be heard in that capacity with his clarinet trio 'Ensemble Clarino' on Swiss Pan 51.701, released a couple of years ago, which includes his own lovely Counterpoints on 'Come, sweet death'). So it is no surprise that both SATOR and the solo piece O, star! demonstrate an intimate knowledge of the instrument's possibilities. But his Diario for solo violin is no less idiomatic. I cannot be the only person to find contemporary works for solo violin often overly cerebral, as if their composers were so keen to show how to overcome the problems posed by the medium that they forget that we are supposed to listen to the music too. Yet while I cannot claim to find Diario as compelling as the other works recorded here, Hefti nevertheless succeeds in keeping the listener's attention over the work's span of 15 minutes. This is no mean feat, and it is achieved not least thanks to his interpreter Stefan Tönz (also the work's dedicatee), whose performance displays virtuosity and musicality in equal measure. Indeed, it is to Hefti's credit that he has been able to gather several of the leading younger generation of Swiss musicians to record his works on this CD.

The highlight for me here is Melencolia I for flute, percussion and piano, especially its second movement with its striking tone colours, and the manner in which it conveys emotions at once intense and yet somehow held in balance. Perhaps typically, this is a four-part fugue - just one example of several on this CD where the composer's penchant for constructivism serves a purely aesthetic purpose, allowing one to forget about the construction, and hear only the music. Hefti's works are receiving ever more performances across Europe, Asia and the Americas, though this is the first CD devoted to him. On the strength of this one, it should be followed by many others.

Chris Walton



St. Galler Tagblatt
, 31. 01. 2007

Einsame Töne

Von David Philip Hefti (geb. 1975, St. Galler in Zürich) ist eine CD erschienen mit den vier Werken "Diarium" (1999) für Violine solo, "O, star!" (2003) für Klarinette solo, "Melencolia I" (2004) für Flöte, Schlagzeug und Klavier sowie "Sator" (2002) für Klarinette und Orchester. Melancholisch ist nicht nur das so betitelte Stück, die CD hat einen ausgesprochen traurigen Unterton. Das rührt von den einzelnen Instrumenten her, die Hefti ganz in den leeren Raum stellt oder aber in ein sehr zurückgenommenes Klangumfeld. Die Soli wirken fragil, suchend - obwohl sie geistig nicht allein stehen. Mit "Melencolia" bezieht sich Hefti zum Beispiel eng auf Dürer. Oder in "Sator" sind im Orchester Bach-Zitate eingearbeitet, während die Klarinette als Gegenpart mit Glissandi, 12-Ton-Sequenzen und Mikrointervallen spielt.

Eva Bachmann



Schweizer Illustrierte
, 30.12.2006

Klassik: Sator, Neue Musik von David P. Hefti

Die CD "Sator" des jungen Schweizer Komponisten David Philip Hefti beweist: Zeitgenössisches ist nicht nur Kopfmusik, sondern spricht auch Gefühle an, ist plastisch und spannend. Die vier Werke, von hervorragenden Schweizer Musikern gespielt, zeigen Hefti von verschiedenen Seiten. Stimmungsvoll ist die lange Violinsonate "Diarium", berührend das Klarinettensolo "O, Star!", zwischen Geräusch und Melodie fasziniert das Klarinettenkonzert "Sator". Neue Musik vom Besten!

Hans Uli von Erlach



Codex flores (www.codexflores.ch)
Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik,
02. 02. 2007

David Philip Heftis "Sator"

Der 1975 geborene David Philip Hefti ist Vertreter einer Generation junger Komponisten, die wie selbstverständlich über eine Vielzahl kompositorischer und formaler Mittel verfügen und diese auch unverkrampft und unideologisch zu nutzen verstehen - seien es Zwölftonverfahren, Collage, Klangzerlegungen, repetitive Muster, Zentraltontechnik, Zitate, postmoderne Stilmischungen oder gar postromantisches Expressivo. Hefti hat daraus eine farbige, klanglich und melodisch reichhaltige und packende Tonsprache entwickelt, die auch in grösseren Formen schlüssig wirkt.

Bei aller Klangsinnlichkeit und Expressivität schimmert in seiner Musik aber immer wieder durch, dass sein ästhetisches Credo letztlich in den konstruktiven und spekulativen Strömungen der abendländischen Kunstmusik zu finden ist. Darauf weisen nicht zuletzt die zahlreichen Querverbindungen zur Musik Bachs hin: In "Diarium" für Violine solo aus dem Jahr 1999, in die mit dem Satz "Quae regula" auch ein veritables musikalisches Rätsel hineingeheimnisst worden ist - zitiert er im Finale den Choral "Komm süsser Tod" und erinnert damit an einen im Geiste zweifelsohne Verwandten, nämlich Alban Berg, der in seinem Violinkonzert gegen Ende mit "Es ist genug" ebenfalls einen an den Tod gemahnenden Bach-Choral erklingen lässt. Im Schlusssatz des Klarinettenkonzertes "Sator" (2002) erklingt das h-Moll-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier als Klangfarbenmelodie, in einer Technik also, der Bergs Lehrer Schönberg seine Aufmerksamkeit zuwandte.

"Sator" ist aber auch ein Stichwort, das den konstruktiven Aspekt von Heftis Musik noch detaillierter charakterisiert. Das Wort, dessen Buchstaben im Solostück "O, star!" (2003) für Klarinette anders angeordnet sind, kennen Lateiner bestens aus dem vielfach symmetrischen Sinnspruch:

SATOR
AREPO
TENET
OPERA
ROTAS

("Sator Arepo tenet opera rotas" heisst etwa soviel wie "Der Sämann Arepo hält das Werk im Umlauf"). Dies wiederum verweist auch auf Albrecht Dürers rätselhaften Kupferstich "Melencolia", auf dem eine Fülle höchst geheimnisvoller und andeutungsreicher Objekte versammelt sind, darunter eben auch ein magisches Quadrat, dessen Hang zur Symmetrie in dem Sator-Quadrat ebenfalls anklingt.

Inspiriert von Dürers Bild ist Heftis "Melencolia I" (2004) für Flöte, Schlagzeug und Klavier, das angesichts der hermetischen Symbolhaftigkeit des Stiches eine schon fast simpel anmutende klangliche Beschreibung von Überarbeitung und Überspanntheit darstellt. Sie mündet in abgrundtiefe Melancholie (heute würde man das neudeutsch als "Burn out" bezeichnen), die in Heftis Klangkosmos nicht minder suggestiv ausfällt.

Der Komponist hat, was für derartige Musik ja schon sehr ungewöhnlich ist, das Glück, "Diarium" und "Sator" gleich zweimal auf CD gebrannt zu sehen (respektive zu hören). Auf einer früheren CD - sie kann wie die vorliegende über Heftis Webseite bestellt werden - ist neben den beiden Werken Kurt Weills Violinkonzert zu hören. Die "Sator"-Aufnahme der vorliegenden CD ist identisch mit derjenigen der früheren Einspielung, des Live-Mitschnitts eines Konzertes an der Musikhochschule Zürich vom 28. März 2003. "Diarium" ist von Stefan Tönz hingegen zweimal eingespielt worden: Am erwähnten Konzert und zwei Jahre später in der alten reformierten Kirche Zürich-Witikon. Letztere Aufnahme findet sich auf der hier besprochenen Silberscheibe.

Wolfgang Böhler, Chefredaktor



Fono Forum, 07/2007

Als wollte David Philip Hefti seinen ausgeprägten Expressionsdrang im Zaum halten, bedient er sich zur strukturellen Absicherung seiner Instrumentalmusik gern einer Vielzahl kontrapunktischer Techniken. Seine Affinität zu Bach liegt da quasi auf der Hand, erscheint in 'Diarium' für Violine solo als indirekte Affinität zu den Partiten, im Epilog des Klarinettenkonzerts 'Sator' als deutliches Zitat. Dass der einstige Rihm-Schüler vor allem von der solistischen Linie ausgeht, wird in allen Kompositionen evident und begründet auch die virtuose Rastlosigkeit und filigranen Klanggesten von 'Melencolia I' für Flöte, Schlagzeug und Klavier. Heftis hochexpressive Musik findet hier auf vorderster Stuhlkante statt.

Dirk Wieschollek




Swissdisc.ch - Das Neuste aus der Schweizer Musikproduktion, 07. 02. 2007

David Philip Hefti: "Sator"

Im Werk Sator vereint der Komponist David Philip Hefti vier Werke unterschiedlichsten Charakters, Harmonik und Rhythmik, die durch bemerkenswert farbenreiche Interpretationen zu einer abwechslungsreich vielschichtigen Einheit finden.

Charakteristisch an "Darium" für Violine Solo ist seine wellenartige und äusserst differenzierte Dynamik. Die virtuose Musik mündet in einem Klagelied, wobei die Grenzen zwischen Zwölfton- und Zentralton-Technik verschwimmen.

Im Mosaik "O, star!" für Klarinette bilden Kontraste das Wesensmerkmal der expressiven Musik: Auf eine lyrische Introduktion folgt ein virtuoser Abschnitt, der in einen von Klangfarbenwechsel und Mehrklängen beherrschten Teil mündet.

Die Komposition "Melencolia" für Flöte, Schlagzeug und Klavier nimmt Bezug auf den berühmten Dürer-Kupferstich, der ebenso in seiner Gegenständlichkeit als auch in seiner Deutung rätselhaft ist. Eingeleitet wird das Werk durch einen virtuosen Satz, der die Überanstrengung beschreibt, die schliesslich in die Melancholie führt, bevor sich das Werk - zunehmend geräuschhaft - auflöst.

Im Konzert "Sator" für Klarinette und Orchester, in dem sämtliche Teile des Werkes ihren rhythmischen, motivischen und harmonischen Ursprung in der Einleitung finden, wird das Soloinstrument vom Orchester nicht nur unterstützend getragen, sondern lehnt sich in wilden Passagen auch dagegen auf.

Michael Bühler



Clarino.print
, Ausgabe 3/07

David Philip Hefti, der junge Schweizer Komponist, hat sich in der Neuen Musik schon einen großen Namen gemacht. Auf dieser CD stehen seine Solowerke im Mittelpunkt: 'Diarium' für Violine solo - 'O, Star!' für Klarinette solo - 'Melencolia' für Flöte, Schlagzeug und Klavier - 'SATOR', Konzert für Klarinette und Orchester. Für einige seiner Kompositionen holt sich Hefti historische Inspiration. So klingt im Finalsatz von 'Diarium' Bachs Choral 'Komm, süßer Tod' an. Mit 'Melencolia' spielt er auf Albrecht Dürers Kupferstich an. Die Kompositionen von Hefti - ein nicht alltägliches Hörerlebnis.

Anneliese Schürer




Fondation SUISA pour la musique, 18. 04. 2007

David Philip Hefti est né en 1975 et il a choisi d'étudier la composition, la direction d'orchestre, la clarinette et enfin la musique de chambre, et cela à Winterthour, Zurich, Karlsruhe où il eut notamment comme maître le grand Wolfgang Rihm, Wolfgang Meyer, la clarinettiste suisse Elmar Schmid et le compositeur Gerald Bennett. Son catalogue d'oeuvres est déjà important et de nombreuses compositions sont éditées et, par conséquent, souvent jouées.

Le disque "Sator" qu'il vient de produire est en quelque sorte un portrait que ce compositeur est capable de démontrer. On y trouve tout d'abord Diarum, une composition de 1999 que Stefan Tönz interprète au violon seul. Puis, c'est au tour de Valentin Wandeler clarinette de nous proposer les pages de O, star !, oeuvre de 2003: une mosaïque pour clarinette solo. Puis, on découvre tour à tour Philippe Racine à la flûte soprano, à la flûte alto, Matthias Würsch à la percussion et Olivier Schnyder au piano dans les pages de Melencolia I, une composition de 2004. Le disque se conclut par un superbe Concerto pour clarinette et orchestre qu'interprète à nouveau Valentin Wandeler, tantôt à la clarinette, tantôt au cor de basset. Il est accompagné par le Zürcher Kammerensemble ainsi que des membres du collegium novum de Zurich; tous ces musiciens étant placés sous la direction de David Philip Hefti.

La découverte de ce disque a été pour nous une très agréable surprise car nous ne connaissions jusqu'ici que trop peu la musique du compositeur Hefti. Grâce à Sator, cette situation inconfortable est réparée, et nous souhaitons que David Philip Hefti poursuivre la belle carrière qu'il a entreprise.

Claude Delley, Directeur



Début-CD Judith Schmid: Rosenblätter
Pressestimmen / Press reviews




Swiss Pan SP 51.728
David Philip Hefti:
(*1975)

Rosenblätter (2007)
Liederzyklus für mittlere Stimme und Klavier
nach Gedichten von Rose Ausländer
Edvard Grieg: 4 Lieder op. 48
Maurice Ravel: Histoires Naturelles

Interpreten:



Judith Schmid, Mezzosporan
Oliver Schnyder, Klavier




Die Aufnahme des Liederzyklus' "Rosenblätter" von David Philip Hefti wurde von der Redaktion Klassikmagazin von Schweizer Radio DRS2 in die Auswahl "Best of 2008" aufgenommen.

Schweizer Radio DRS2, 27. Dezember 2008
Sendung "Klassik-Magazin", Rubrik "Die neue Klassik-CD"

Best of 2008

"Der Ohrenspitzer ist das Werk eines jungen Schweizer Komponisten. Es ist ein Liederzyklus mit dem Titel "Rosenblätter" nach Gedichten von Rose Ausländer. Geschrieben hat ihn David Philip Hefti, ein noch junger Komponist mit Jahrgang 1975, der mit einer gewissen Leichtigkeit über die Mittel der Neuen Musik verfügt, sie aber durchaus traditionell - im besten Sinn - einsetzt. Ich würde also sagen, er hat einen Liederzyklus gleichsam in der Tradition von Schumann und Schönberg geschrieben. Die Mezzo-Sopranistin Judith Schmid wird am Klavier von Oliver Schnyder begleitet, der hier in den zwei ausgewählten Liedern [Nr. 10 "Himmel" und Nr. 11 "Das Schönste"] auch noch vokal in Erscheinung tritt."

Roland Wächter



St. Galler Tagblatt, 23. April 2008

hörbarKlassik: Massgeschneidert

Die Schweizer Mezzosopranistin Judith Schmid hat zusammen mit dem Pianisten Oliver Schnyder unter dem Titel "Rosenblätter" eine attraktive CD aufgenommen, die Lieder von Edvard Grieg und Maurice Ravel um einen für sie geschriebenen Liedzyklus des 1975 in St. Gallen geborenen Komponisten David Philip Hefti gruppiert. Die 15 expressiven Miniaturen auf Texte von Rose Ausländer zeigen Schmids stimmliche Möglichkeiten von der spätromantischen Kantilene bis zu experimentellen Techniken. Ihre Energie, die Textverständlichkeit und die emotional unmittelbar ansprechende Textur ziehen direkt in die zeitgenössische Musik hinein. Die romantischen Lieder Griegs und Ravels witzig-parodistische "Histoires naturelles" ergänzen den modernen Schwerpunkt stimmig. Hier wie dort überzeugt das enge Zusammengehen von Gesang und Klavierbegleitung.

Tobias Gerosa




Schweizer Musikzeitung, Ausgabe 9, September 2008

Bouquet de louanges pour des pétales de roses

Un récital chant et piano plein de superbes découvertes, un disque rare comme on les aime... Le mezzo Judith Schmid et le pianiste Oliver Schnyder nous mettent en bouche avec un Lied d'Edvard Grieg, nous rappelant à quel point ces compositions mériteraient d'être plus souvent chantées. Le plat de résistance est une création de David Philip Hefti, né en 1975. 15 Lieder de haute voltige, présentés en création, qui ont déjà obtenu les plus hautes distinctions dont le premier prix du concours de composition de l'Université de Bucarest. Du chant pur au parlé, du suraigu au sous-grave, la voix est utilisée dans tous ses retranchements, de même que le piano (pizzicati, cordes étouffées par la paume, voix - le pianiste doit aussi parler -, caresses sur les cordes, percussions...). Rien à voir toutefois avec un catalogue d'effets, puisque ces sons inouïs sont toujours employés à des fins expressives. Cela demande des interprètes non seulement une technique irréprochable, mais un investissement incroyable tant la partition est "physique". La voix éminemment sensuelle de Judith Schmid s'épanouit à nouveau dans des Lieder de Grieg qui entourent les merveilleuses Histoires naturelles de Ravel. Celles-ci sont restituées avec toute la finesse et l'humour subtil qui convient. Le cas est suffisamment rare pour le signaler: les textes de Jules Renard sont absolument intelligibles, une belle leçon de diction et de parfaite projection!

Thierry Dagon




Radiomagazin, Ausgabe Februar 2008

Wer wieder mal wissen will, was sich in der Schweiz jenseits von Nadelmann und Co. so tut, dem sei diese CD ans Herz gelegt: Das Debüt von Judith Schmid, Mezzosopranistin am Opernhaus Zürich. Sie hat eher unbekannte Lieder von Grieg und Ravel mit dem brandneuen Liederzyklus "Rosenblätter" des jungen Schweizer Komponisten David Philip Hefti kombiniert, der Gedichte von Rose Ausländer vertonte. Da taucht man ab in verstörende Wort- und berückende Klangwelten.

Annelis Berger, DRS 2



Der Landbote
, 17. April 2008

Rosenblätter

Die grosse Palette spezieller "Erfindungen" bringt David Philip Hefti auch im Umgang mit der Gesangsstimme ins Spiel. Teils expressiv unmittelbar, teils klangsymbolisch im Zusammenhang mit Text und Wort hält die Sängerin da die Hand vor den Mund, bleibt dort ein Zischlaut hängen, stockt das Wort. Zu hören ist der Liederzyklus "Rosenblätter" auf Gedichte von Rose Ausländer auf der Debüt-CD (Swiss Pan SP51 728) der als Ensemblemitglied des Opernhauses bekannten Schweizer Mezzo-Sopranistin Judith Schmid (Bild). In ihrem Auftrag ist der Zyklus auch entstanden, der zwischen Liedern von Edvard Grieg und Maurice Ravel im Zentrum steht.

Judith Schmid, begleitet von Oliver Schnyder, legt damit ein eigenwilliges Programm vor, das hervorragend gemeistert ist in der Entfaltung eines klangvollen Mezzosoprans und subtiler musikalisch-sprachlicher Gestaltung. Der Sängerin gelingt es mit scheinbarer Selbstverständlichkeit, diese Lieder im Kosmos der grossen Liedtradition zu platzieren.

Herbert Büttiker



Klassik Heute
, 18. April 2008

Eine fröhliche junge Dame: Judith Schmid. Auf sieben oder acht Farbbildern des Albums sieht man ihr lachendes Gesicht, sie sendet im Booklet Dankworte an Philip (Komponist), Oliver (Klavierbegleiter), an Andreas, Markus, Ulrike usw., auch an Papi und Mami. Alles sehr herzlich und familiär. Als unbefangener Hörer kommt man sich fast schon als Eindringling in eine so nette Privatsphäre vor.

Schließlich aber ist die Aufnahme wohl auch für Außenstehende gedacht. Judith Schmid, Gesangssolistin am Opernhaus Zürich, besitzt eine füllige, wohlklingende Stimme. Ein reiner Mezzosopran von jugendfrisch gesundem Klang, sympathisch, einwandfrei in der Führung. Besondere Individualität scheint derzeit noch nicht erkennbar. Bemerkenswert, daß die Künstlerin Lieder des bei uns eher gemiedenen Edvard Grieg in ihr Programm einbezieht. Aus seinen Vertonungen deutscher Texte sind hier Zur Rosenzeit (Goethe), Lauf der Welt (Uhland), Ein Traum (Bodenstedt) und Dereinst, Gedanke mein (Geibel) zu hören. Judith Schmidt trägt die Stücke mit Gefühl und musikalischer Sauberkeit vor. Für Ravels ironische Histoires naturelles wäre etwas mehr Charakterisierung und Pointierung notwendig gewesen.

Das Hauptstück des Programms ist eine moderne Schöpfung: der Zyklus Rosenblätter von David Philip Hefti (geb. 1975), beruhend auf fünfzehn Gedichten von Rose Ausländer. Die schwärmerischen, liebevollen Texte hat der Komponist mit Mitteln aktueller Gegenwartskunst vertont. Der Stimme wird neben veritablen Gesangslinien auch Flüstern, Raunen, Keuchen, abverlangt, das Klavier gelangt nicht bloß als Tasteninstrument, sondern auch mit allerlei außertourlichen Geräuschen (Klappern, Klopfen) zum Einsatz. Die meist kurzen Klang-Episoden besitzen Dichte und Kraft. Eine gute Arbeit, die effektvoll durch die Sängerin und den ausgezeichneten Klavierbegleiter Oliver Schnyder dargeboten wird.

Clemens Höslinger



Tages-Anzeiger Zürich,
11.01.2008 Kultur

CD Judith Schmid

Ein attraktives Foto drauf, ein paar Arien drin: So präsentieren sich viele, viele Sängerinnen-CDs. Eine solche allerdings wollte die Schweizer Mezzosopranistin Judith Schmid, die vor allem als Ensemblemitglied des Zürcher Opernhauses bekannt geworden ist, partout nicht produzieren. Es hätte nicht gepasst zu einer Musikerin, die mehr kann und mehr will als nur schöne Töne produzieren; die neben den Stimmbändern gern auch ihren Kopf in Bewegung setzt; und die ihr theatralisches Talent nicht in Häppchen servieren mag.

"Rosenblätter" heisst ihre Debüt-CD, und sie ist ein kleines Gesamtkunstwerk. Im Zentrum steht der gleichnamige Liederzyklus des jungen Zürcher Komponisten David Philip Hefti, der auf 15 Notenblättern Texte von Rose Ausländer vertont hat. Judith Schmid hat den Zyklus in Auftrag gegeben, und Hefti hat ihre wandelbare, strahlkräftige Stimme offenbar genau beobachtet, bevor er seine Lieder komponiert hat. Es sind hoch expressive Miniaturen, in denen romantische Emphase und zeitgenössische Gesangstechniken zusammenfinden, in denen auch der Pianist Oliver Schnyder weit mehr ist als ein Begleiter. Und sie finden in Liedern von Edvard Grieg (unter anderem und trefflicherweise "Zur Rosenzeit") und den "Histoires Naturelles" von Maurice Ravel einen ebenso überraschenden wie stimmigen Rahmen.

Eine enorme Energie strahlt diese Aufnahme aus - jene Energie, die auch Schmids Bühnenauftritte prägt (man wartet immer noch darauf, dass sie sie in Zürich einmal in grösseren Rollen ausleben kann). Damit passt auch das Cover zum Gesamtkunstwerk: Es zeigt eine lachende Judith Schmid, halb versteckt hinter einem Theatervorhang. Ein attraktives Foto. Aber eben ein bisschen anders als bei vielen, vielen anderen Sängerinnen-CDs.

Susanne Kübler




Neue Zürcher Zeitung,
27.12.2007

Nicht nur auf der Bühne heimisch

Die Sängerin Judith Schmid präsentiert ihre Début-CD

Die Schweizer Mezzosopranistin Judith Schmid ist seit neun Jahren Ensemblemitglied des Opernhauses Zürich und hat dort schon beachtliche Erfolge gefeiert. Daneben tritt sie auch als Konzert- und Liedsängerin auf. Soeben ist ihre erste CD erschienen, auf der sie sich mit einem unkonventionellen Programm vorstellt.

Nein, kein Arienalbum! Nicht Highlights von Dorabella, Cherubino und Co., sondern ein eigenwilliges Liederprogramm hat die Sängerin ausgewählt. Die Mezzosopranistin Judith Schmid präsentiert sich auf ihrer Début-CD mit selten gehörten Liedern von Edvard Grieg und Maurice Ravel und mit der Ersteinspielung des Liedzyklus "Rosenblätter" von David Philip Hefti . Der Komponist hat das Werk eigens für Judith Schmid geschrieben und hat es ihr und dem Pianisten Oliver Schnyder, der als Begleiter mitwirkt, gewidmet. "Ich habe David Philip Hefti auf dem Flughafen Kloten kennengelernt", erzählt die 38-jährige Sängerin. "Wir flogen beide nach Belgrad, um bei einer Konzertreise mit Mozarts 'Requiem' mitzumachen, er als Instrumentalist, ich als Solistin." Nach der Reise sei dann der Plan zu dem Projekt entstanden.

Rose Ausländers Rosensprache

Der Komponist hat mehrere ihrer Vorstellungen am Opernhaus besucht, um ihre Stimme zu studieren. Als Vorlagen hat Hefti Gedichte der jüdischen Dichterin Rose Ausländer ausgewählt. Judith Schmid kann sich mit diesen Texten gut identifizieren. Sie verkennen weder Leid noch Tod und wagen es dennoch, den Blick auf die Schönheit der Natur und die Liebe zu werfen. "Der Garten öffnet seine Rosen, sie duften sich Sonnenworte zu. Nur Liebespaare fangen sie auf und grüssen zurück in der Rosensprache." So lautet der Anfang des sechsten Gedichts. Vertont sind diese Worte in einer ganz und gar unsentimentalen Musiksprache. Die Melodien der Sängerin verlaufen wie Berg-und-Tal-Bahnen, die Klavierbegleitung pulsiert dazu kurzatmig. In geradezu romantischem Tonfall eröffnet die Interpretin das Stück "Dennoch", um dann in ein aphoristisches Stammeln überzugehen, das von dumpfen Schlägen des Klaviers begleitet wird. Auf die Ausdrucksvielfalt und die theatralische Begabung Judith Schmids besonders zugeschnitten ist das Lied "Tränen", bei dem sie auf engstem Raum Geräuschlaute von sich gibt, mit der Hand den Luftstrom vor dem Mund unterbricht oder mit krächzender Stimme die Situation einer Weinenden wiedergibt.

Die meisten Musikbegeisterten kennen die Sängerin von der Oper her. Seit der Saison 1998/99 ist Judith Schmid nämlich Ensemblemitglied am Opernhaus Zürich. Mit Stolz erzählt sie, wie es dazu kam: Nach dem Gesangsstudium in London wurde sie am Internationalen Opernstudio aufgenommen. Schon während dieser Zeit durfte sie auf der grossen Bühne des Opernhauses einige Rollen spielen. Eine davon war die des Arbate in einer Neuinszenierung von Mozarts "Mitridate". Bei der Nachfeier erklärte Intendant Alexander Pereira vor allen Gästen, dass sie einen Vertrag für das Opernhaus bekommen werde. Seither hat Judith Schmid in Zürich verschiedene Haupt- und Nebenrollen gespielt. Erfolge feierte sie beispielsweise als Fuchs in Janáceks "Schlauem Füchslein" oder als Dorabella in Mozarts "Così fan tutte". Aber auch Nebenrollen gefallen ihr, wenn sie, wie Cherubino im "Figaro", schauspielerisch etwas hergeben.

Dass die junge Sängerin zusammen mit grossen Namen auf der Bühne stehen darf, findet sie attraktiv. Am Anfang hatte sie vor diesen Stars grossen Respekt; heute pflegt sie mit ihnen einen ganz normalen Umgang. Ihr als Mezzosopranistin im lyrischen Fach mit dramatischer Tendenz bleiben all die Primadonnen-Rollen verwehrt, die für Sopran geschrieben sind. Aber auch so gibt es noch genügend Wunschpartien, die sie verwirklichen möchte: Charlotte in Massenets "Werther", Octavian in Strauss' "Rosenkavalier", Rosina in Rossinis "Barbiere" und diverse Händel-Partien.

Brennendes Kostüm

Vor acht Jahren hat Judith Schmid einen Rückschlag erlebt, der sie beinahe die Karriere gekostet hätte. Bei der letzten Vorstellung von "Boris Godunow", bei der sie die Rolle der Schenkwirtin sang, fing ihr synthetisches Kostüm auf der Bühne Feuer. Die Sängerin erlitt schwerste Verbrennungen und musste im Spital mit Hauttransplantationen behandelt werden. Nach diesem Trauma wollte sie den Beruf aufgeben. Aber durch grossen persönlichen Einsatz fand sie den Weg wieder auf die Bühne. Etwa 30 Prozent ihrer künstlerischen Arbeit hält sich Judith Schmid für Konzert- und Liedtätigkeit frei. Sie braucht diese Sparten als Ausgleich zum Opernsingen. Andere Facetten ihrer Person, die in der Oper zu kurz kommen, kann sie dort zur Geltung bringen. Beispielsweise ihre Affinität zur zeitgenössischen und experimentellen Musik. Das wollte sie unter anderem auch mit ihrer neuen CD demonstrieren. An Engagements im Konzert- und Liedbereich mangelt es nicht. Mit grosser Freude sieht sie ihrem Début bei Lucerne Festival entgegen: An den Osterfestspielen 2009 wird sie, zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons, als Solistin in Haydns "Harmoniemesse" mitwirken.

Thomas Schacher



Aargauer Zeitung, 28.12.2007
Kultur

Die eigene Stimme wiedergefunden

Klassik Die Schweizer Opernsängerin Judith Schmid erlitt vor sieben Jahren schwere Brandverletzungen im Opernhaus Zürich. Jetzt redet sie über ihr schweres Schicksal.

Wer hohe Töne singt, hebt gerne ab. Die Schweizer Opernsängerin Judith Schmid würde gerne abheben - wäre gerne abgehoben. Schmid wird aber von einem Schatten verfolgt, der ihr fünf Jahre der Karriere kostete, ja der ihre Karriere geradezu infrage stellte. Am 5. Januar 2000 während einer Vorstellung von "Boris Godunow" im Opernhaus Zürich erlitt die Mezzosopranistin einen Brandunfall. Ein Grill auf der Bühne wurde ihr zum Verhängnis. "Ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich, wenn ich daran zurückdenke. Im Januar lag ich einen Monat lang im Universitätsspital auf der Intensivstation, vier Operationen und Hauttransplantationen folgten, im Februar war ich in der Rehaklinik." Als sie im März wieder probte, schrieben manche Zeitungen, alles sei wieder gut. Dabei grenzte es an ein Wunder, dass Schmid im Juni bei "Pique Dame" auf der Bühne stand. "Dank Regisseur Jens-Daniel Herzog ging das aber sehr gut. Vor kurzem konnte ich ihm endlich sagen, wie sehr er mir damals geholfen hatte, wie gross seine menschliche Seite gewesen sei."

Doch das Singen wurde zur Belastung, Schmid konnte einen Arm lange nicht bewegen. Der Zustand dauerte zwei Jahre an. "In dieser Zeit war es mir unmöglich, allein in einem Zimmer zu üben, ohne die Schmerzen zu spüren. Meine Stimme gehörte nicht mehr zu mir. Ich hatte keine Freude mehr, konnte in dieser Verfassung nicht auftreten, tat es unter grosser Anstrengung aber dennoch."

Schmid, die im Aargau aufgewachsen ist, war gezwungen, sich mit einer Umschulung zu befassen, liess sich beraten, kam aber immer wieder zurück zum Theater, zum Singen. Vier, fünf Jahre vergingen, bis die Stimme wieder im Körper verankert war, bis das Üben ertragbarer wurde. Doch die Bilder blieben: "Wenn ich heute auf der Bühne bin, taucht immer wieder das Bild auf, wie ich damals gebrannt habe." Nur allmählich realisierte Schmid, dass dieser Unfall ihr passierte. "Die vergangenen Jahre schafften eine Distanz, die es mir ermöglichte, mich näher an das Ereignis zu wagen, in das Ereignis hineinzuschauen."

Die Gedanken, was ohne den Unfall gewesen wäre, quälen. Wut verspürt sie dennoch nicht, aber eine tiefe Trauer: "Ich hatte den Eindruck, dass nicht verstanden wurde, was mit mir damals passierte und passiert. Es ist heute noch schmerzhaft und eine Demütigung, immer wieder Feuer auf der Bühne der verschiedenen Produktionen zu sehen. Wofür habe ich diese Schmerzen gehabt? Wofür lag ich so lange auf der Intensivstation? Es gibt diesbezüglich keine Verbesserungen. Da kommt dann schon Zorn auf."

Zürich ist trotz den Wunden ihr Arbeitsort geblieben, am Jahrestag des Unfalls wird sie aber nicht am Opernhaus sein. Ein Weggang brächte Schmid wenig. "Spätestens wenn jemand die Narben sieht, werde ich darauf angesprochen." Und sie verweist auch darauf, dass ihr an einem fremden Ort das wichtige soziale Umfeld fehlen würde. Doch die Frage nach dem Weggehen belastet sie aus anderen Gründen dennoch immer wieder: Seit zehn Jahren ist Schmid Ensemblemitglied in Zürich. Hier hat sie am Anfang der Karriere naturgemäss kleine Rollen gesungen, konnte dabei neben den Stars wichtige Bühnenerfahrung sammeln. Doch die Rolle als Stichwortgeberin wurde ihr irgendwann zu wenig, eine Zusicherung auf Grösseres erhielt sie aber nicht. "Ich habe es bei der Direktion zur Diskussion gebracht. "Eine Stimme kann nicht wachsen, wenn man pro Abend einmal 'Il re' singt. Grössere Rollen kann man aber nicht im Kämmerlein aufbauen, dort singt man ganz anders als auf der Bühne."

Es gilt nicht nur, grössere Rollen zu singen, sondern sich an Premieren zu präsentieren - dann, wenn die Presse zuhört und europaweit über das Opernhaus Zürich berichtet. In ihren zehn Zürcher Jahren konnte Schmid bloss eine wirklich grosse Rolle an einer Premiere singen > Cherubino in Mozarts "Le nozze di Figaro". Ehrlich gesteht sie, dass das frustrierend ist. Der Gedanke ans Weggehen wird dennoch meist schnell wieder verworfen. Die Schauermärchen der Kollegen über die kleineren Häuser sind nämlich zahlreich. "Wer hört dich dort? Kommt man von dort wieder weg? An vielen kleinen Häusern werden die Sänger verheizt. Ich bin mir bewusst, dass ich dort vielleicht meine Traumrollen Octavian oder auch Charlotte singen könnte, aber ich müsste es wohl jeden Abend tun, weil die Ensembles so klein sind." Auf die Entgegnung, dass es in Zürich dafür andere, die so genannten Stars, machen würden, wird Schmid leise und antwortet nüchtern: "Das ist so."

Bis Ende März ist Schmid nicht auf der Opernhausbühne. Dann aber darf sie die Dorabella in "Cosí fan tutte" - eine der grossen Mozartrollen - singen, wieder in einer Wiederaufnahme. Mit der Opernhaus-Korrepetitorin, mit der Lehrerin in Basel und einer DVD bereitet sie sich auf die Vorstellung vor. Es ist ein langes, auch unheimliches Warten, in dem selbst die Scheu vor der Bühne wächst. "Wenn man nach längerer Zeit wieder auf die Bühne gehen soll, fragt man sich: Kann ich dort hinaus?" Es sind Probleme, die sie professionell meistert. Das Abheben in der Kunst wird dennoch nie mehr einfach, der Schatten verfolgt sie ein Leben lang.

Schmids erste Solo-CD mit mutigem Programm

"Die CD 'Rosenblätter' ist ein sehr persönliches Projekt, das ungeheuer viel Zeit in Anspruch nahm. Ich weiss nicht, wie viele Briefe ich dafür schrieb, wie viele Telefonate ich führte." Auch der Gang ins Studio war schwer, Schmid behauptet, keine Studiosängerin zu sein: "Sobald ich ein Mikrofon sah, stoppte etwas in mir." Dank der Unterstützung des Komponisten und Dirigenten David Philip Hefti, des Pianisten Oliver Schnyder und eines privaten deutschen Geldgebers kam die CD dennoch zustande.

Der Druck, eine 08/15-Arien-CD zu machen, ein Potpourri mit Rossini und Mozart, war gross. Aber Schmid sagt sich selbstbewusst: "Wenn ich eine Debüt-CD einspiele, dann nicht nur fürs Publikum, sondern auch für mich. Ich wollte eine Seite von mir zeigen, die man vielleicht nicht so gut kennt: das Lied und die zeitgenössische Musik."

Der Kontakt zum Komponisten Hefti war eng. Er fragte sogar, welche Töne Schmid singen möge. Er schrieb dann aber durchaus auch Töne, die schwer zu singen sind. "Er war sich aber bewusst, dass gewisse Stellen schwer sind, es sollte nicht einfach nur 'schön' tönen."

Entstanden ist eine CD, die eine Herzensangelegenheit für alle Beteiligten war. Edvard Griegs und Maurice Ravels Lieder verbinden sich mit Heftis eigenständiger Klangsprache ideal. Judith Schmid hat nicht nur eine neue Seite von sich gezeigt, sondern die grosse Herausforderung kühn gemeistert.

Christian Berzins



ENSEMBLE CLARINO: CD Counterpoints
Pressestimmen / Press reviews




SwissPAN 51.701
David Philip Hefti


Counterpoints on "Come, sweet death" (2000)
für Klarinette, Bassetthorn und Kontrabass-Klarinette
J. S. Bach / Hefti 5 Canons aus dem "Musikalischen Opfer" BWV 1079
W. A. Mozart Divertimento F-Dur KV 439
Edison Denisov Two pieces for three instruments

Interpreten:



ENSEMBLE CLARINO
David Philip Hefti
Valentin Wandeler
Valentin Vogt



rohrblatt, III/2003

Die als eigenes Divertimento zusammengestellten fünf Stücke aus Mozarts fünf Divertimenti für drei Bassetthörner KV 439b sind eine hübsche Einführung in die schwungvolle Bläserkunst der drei jungen Schweizer - alle zwischen 27 und 30 Jahren alt -, die sich auf dieser CD mit allen hier verwendeten Instrumenten der Klarinettenfamilie abwechseln. Man könnte sich aber kaum einen grösseren Kontrast zu diesen Klangfarben-Ohrenschmeichlern denken als die erst vor rund zwanzig Jahren von Edison Denisov komponierten zwei Stücke für drei gleichartige Instrumente - hier drei Klarinetten: David Philip Hefti beschreibt im profunden Beihefttext diese Werke - mit ihren Tonreibungen als "kontrapunktische Stimmenverschiebungen" im einen Stück und als "kurzatmige, durch Pausenzäsuren unterbrochene Phrasen in Verbindung mit einfachen metrischen Mustern" im zweiten. Bei einer solchen programmatischen Spannweite wundert es nicht, dass David Philip Hefti aus Bachs "Musikalischem Opfer" die Fuge, drei Kanons und das Ricercar a 3 höchst reizvoll für drei Instrumente aus der Klarinettenfamilie so eingerichtet hat, dass sich der polyphone Verlauf der drei Stimmen in je eigener Klangfarbe nicht nur leicht verfolgen, sondern auch im bunten Ineinander goutieren lässt. Und mit einem besonderen Schlusspunkt krönt Hefti diese Zusammenstellung, mit einer zehnminütigen Improvisation über Bachs Choral "Komm, süsser Tod" in Form von fünf Kontrapunkten, in denen sich Nähe wie Ferne zu Bachs Komposition in vielen Schattierungen und Abwandlungen dokumentieren, ohne den Bezugspunkt zu verlieren: Hefti und seine beiden Mitstreiter zeigen grosse Vertrautheit mit allen Spieltechniken, der vertrauten überkommenen wie der avantgardistischen, und sind selbst die besten Sachwalter dieser spannend anzuhörenden Vielfalt.




The Clarinet, III/2002

Ensemble Clarino is a trio of young Swiss clarinetists who perform a wide variety of repertoire, including transcriptions and original compositions from one of the ensemble's members, David Philip Hefti. What makes this group different from the standard clarinet trio is their fondness for the modern bassett horn and the other lower clarinets. Although they demonstrate on this CD that they are all very fine soprano clarinetists, the sonority of bassett horn and bass clarinet predominate on three of the four selections. The ensemble has chosen four works for this CD, two pieces from the 18th century and two from the late 20th century. The contrasting styles of these selections highlight the talents and versatility of these musicians.

The first selection is the F Major Divertimento of Mozart. On first hearing of this piece, I was impressed by the beautiful full rich tones of the ensemble and the clear and sustained phrasing in all of the five movements. I became even more impressed when I took a closer look at the CD information and discovered the piece was performed on three modern bassett horns. The tone colors are very rich and the players take full advantage of the bassett horn sonority to create a "mezzo" style lyricism. This ensemble plays beautifully together and clearly executes the proper character for each movement in the piece. The recording quality is excellent although at times the third bassett horn part is weaker than the other two parts. Whether this is a tonal resonance issue or a microphone placement problem is difficult to tell. It would be nice to have a stronger bass line presence in some of the passages. However, this imbalance is minor and the overall product is a beautiful ensemble sound that might change some minds about the wonderful sounds the modern bassett horn is capable of producing.

Denisov's Two Pieces for three clarinets is a short work where the ensemble displays its ability to perform on Bb soprano clarinets. The first piece, "Andante," is very expressive in it's meandering and dissonant style. Denisov's use of dissonance, difference tones and quarter steps are very effective in highlighting structural points and creating interesting textures. The three clarinetists play with an excellent sense of style and ensemble. Their tones blend beautifully and really enhance the haunting dissonance very effectively. "Allegro" is a brief movement where all the parts move in unison. Again the texture is legato and is characterized by the dissonant colors and difference tones. This work is performed to perfection and serves as a nice programming contrast to the Mozart Divertimento.

In the next two selections, the talents of one of the ensemble's members, David Philip Hefti, is demonstrated by a transcription and an original composition. The first of these is Hefti's transcription of several movements from Bach's Musical Offering, BWV 1079. Five movements consisting of three canons, a fugue and a ricercare are performed with elegance and style. At times, one can almost imagine that an organ is being used as the performers effectively shape very pure tones in the acoustic environment of the church where the CD was recorded. The balance for this selection is perfect. All voices can be heard easily which allows the brilliant contrapuntal writing to be fully appreciated. In many ways, this selection highlights the group's musicianship and abilities to perform as clarinetists and as an ensemble. Hefti's transcription is wonderful and would be a most welcome addition to the repertoire if it were to be made commercially available.

The final selection Counterpoints on "Come, Sweet Death" is an original composition by David Philip Hefti. By using contrapuntal writing as a basis for the composition, Hefti creates a piece which could be characterized as a contrapuntal rhapsody. The first counterpoint begins in a Baroque style. If one weren't paying attention, one might be fooled into thinking that the opening is an additional track for the Bach transcription. In the subsequent counterpoints, pitch bends, multiphonics, quarter tones, slap tonguing and other contemporary techniques are added as the tranquil setting of the first counterpoint is left behind. After much agitation, the piece settles into a more sparse sustained quality. Eventually the piece becomes more and more traditional and ends in a similar style to the beginning. The composition is very effective and interesting. As with all of the selections on this CD, the tone, blend and ensemble are first-rate. The contrabass clarinet is used effectively with a tone that is as rich in timbre and tonal stability as a regular bass clarinet. This piece is a great closing work in that it incorporates the styles of previous tracks and exhibits the full range of talents that this ensemble has to offer.

This debut recording project by Ensemble Clarino is not a particularly long disc, but it is long enough to show the talents of these three individuals. Their extensive use of the modern bassett horn and other low clarinets is a refreshing timbral shift from the standard clarinet trio repertoire. The bassett horn playing is wonderful as the tones are as pure and resonant as a soprano clarinet but with colors that are heavier and rounder. All of the pieces besides the Denisov work use at least one bassett horn and one bass/contrabass clarinet. It will be interesting to see what future recordings are produced by this group. Hopefully any future project will contain more transcriptions and original compositions. I really enjoyed this CD and would recommend it to anyone who enjoys the dark, rich sounds of the low clarinets.


David Shea