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       David Philip Hefti (*1975)

 


Melencolia I - für Flöte, Schlagzeug und Klavier

Besetzung:
   Flöte, Schlagzeug, Klavier

Dauer:
   ca. 20 min.

Komponiert im Jahr:
   2004

Gewidmet:
  Martin Huber

Verlag:
   Edition Kunzelmann GmbH

Uraufführung:
   2. November 2004, Los Angeles (USA)
   Arnold Schoenberg Institute
   Ensemble Toca Loca:
       Martin Huber, Flöte
       Aiyun Huang, Schlagzeug
       Gregory Oh, Klavier

Aufnahme:
   CD SATOR (telos TLS 125)
   Philippe Racine, Flöte & Alt-Flöte
   Matthias Würsch, Schlagzeug
   Oliver Schnyder, Klavier


Beschreibung:

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"Melencolia I" wurde 2004 geschrieben und ist dem Flötisten Martin Huber gewidmet.

Meine Komposition "Melencolia I" nimmt Bezug auf den berühmten Dürer-Kupferstich mit demselben Titel. Albrecht Dürer (1471-1528) ist 43 Jahre alt, als er 1514 das Blatt "Melencolia I" in Kupfer sticht. Das Kunstwerk ist sowohl in seiner Gegenständlichkeit als auch in seiner Deutung rätselhaft. Die Forschung zur "Melencolia" hat unerschöpflich viel Material zur Ikonologiegeschichte hervorgebracht. Aber auch durch die Aufschlüsselung von Teilbedeutungen einzelner Motive konnte bislang keine stichhaltige Gesamtinterpretation entwickelt werden, weshalb Heinrich Wölfflin in seinem Buch "Die Kunst Albrecht Dürers" schreibt, dass die "Melencolia" immer ein "Tummelplatz der Deutungen" bleiben werde und einer prinzipiell unabschliessbaren Interpretierbarkeit gehorche. Das Geheimnis dieses Blattes besteht nämlich nicht nur darin, welche Gegenstände abgebildet sind, sondern vielmehr welcher Zusammenhang zwischen ihnen besteht.

Dürer verwendet das Wort Melancholie in seinen Schriften nur ein einziges Mal: Er spricht von der Erziehung junger Maler und erwähnt den Fall, dass der Lernende sich überanstrengte, dass er "zu viel sich übte". Dann würde die "Melancholie überhandnehmen" und man müsste mit kurzweiligem Saitenspiel versuchen, "das Gemüt zu ergötzen". Zudem hat die Melancholie zwei Bedeutungen: Einerseits ist sie eine Gemütserkrankung, die den Menschen lähmt und von allen Seiten mit Hindernissen umstellt. Andererseits aber bezeichnet Melancholie eines der vier Temperamente, und der Melancholiker in diesem Sinne braucht kein Kranker zu sein: Es sind nach Aristoteles die ernsten, zum geistigen Schaffen veranlagten Naturen. Dieser positive Aspekt der Melancholie wurde im 16. Jahrhundert wieder entdeckt. Aus einem Temperament mit lauter negativen Eigenschaften leuchtete plötzlich das Genie hervor. Natürlich wurde auch Dürer in diesem Sinne als Melancholiker eingestuft.

Da Dürers Stich voll von ikonographischen Elementen ist, kann hier unmöglich auf jedes einzelne eingegangen werden. Für meine Komposition ist aber das in der oberen rechten Ecke abgebildete Zahlenquadrat von Bedeutung, weshalb hier einige Erläuterungen dazu folgen: Das Zahlenviereck (Magisches Quadrat oder Jupiter-Tafel, "tabula iovis") gehört ganz in die Welt des Mittelalters. Die Ziffern dienen dem geistvollen Spiel, der symbolischen Darstellung, der Magie. Die Besonderheit besteht darin, dass alle Senkrechten und alle Waagerechten sowie die beiden Diagonalen jeweils dieselbe Summe ergeben, in diesem Fall 34. Dürer hat hier autobiographische Anspielungen eingebaut: Die Zahl 34 ergibt versetzt 43, sein Alter im Jahre 1514. Die Jahreszahl selber erscheint in der Mitte der untersten Zeile. Es ist zudem das Jahr, in dem seine Mutter im Mai starb - im fünften Monat, worauf die auf dem Kopf stehende 5 in der zweiten Zeile links verweist. Das Quadrat hat aber noch eine ganz andere Beziehung zum Thema des Stichs: Jedem der vier Temperamente war ein Gestirn und damit auch ein Gott zugeordnet, die Melancholie stand unter dem unheilvollen Einfluss des Saturn. Nach den griechisch-römischen Sagen wurde Saturn von Jupiter überwältigt. Mit der nach ihm benannten Tafel ist also Jupiter schützend zugegen.

Es folgen einige Erläuterungen zu den beiden Sätzen:

1. Affrettato
Dieser nervöse, virtuose, rastlose und gehetzte Satz beschreibt die Überanstrengung bevor die Melancholie einsetzt. Durchgehende Sechzehntelfiguren peitschen die Musik vorwärts bis zum etwas ruhigeren Mittelabschnitt dieses dreiteiligen Satzes, in dem die Melancholie des zweiten Satzes bereits angedeutet wird. Nach wenigen Takten der Erholung geht es in rauschendem Tempo weiter in den erschöpfenden Schluss.

2. Malinconico
Zweiteilig mit Coda, beschreibt dieser Satz die Melancholie. Den Hauptteil des ersten und sehr ruhigen Abschnittes bildet eine vierstimmige Fuge, die in ihrer Strenge auf den ersten Satz zurückweist. Der zweite Teil erinnert in seiner Virtuosität ebenfalls an die Überanstrengung des ersten Satzes und wird von einem absurden Scherzando gefolgt, das zunehmends geräuschhaft wird und sich in der Coda auflöst.