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       David Philip Hefti (*1975)

 



Mondschatten  für Violine und Marimba

Besetzung:
   Violine, Marimbaphon

Dauer:
   
15 min.

Komponiert im Jahr:
   2006

Gewidmet:
    Rahel Cunz und Jacqueline Ott Yesilalp

Uraufführung:
   
2. April 2006
   Philharmonie im Gasteig, München
   Rahel Cunz, Violine
   Jacqueline Ott Yesilalp, Marimba

Verlag:

    Edition Kunzelmann GmbH

Aufnahme:
   
CD TENET (telos TLS 126)
   Rahel Cunz, Violine
   Jacqueline Ott Yesilalp, Marimba


Beschreibung:

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"Mondschatten" wurde 2006 im Auftrag des Duos Cunz/Ott geschrieben und ist der Geigerin Rahel Cunz und der Perkussionistin Jacqueline Ott Yesilalp gewidmet.

Nach den eröffnenden Klopfsignalen folgt das Marimba verschiedenen Bruchstücken einer sich entwickelnden Linie, aus deren Schatten sich die Violine emanzipiert. Die Komposition beginnt drei Mal, ehe die Musik in einen expressiven Kontrapunkt fortschreiten kann. Ein ungebändigter Tanz bildet den Ausgangspunkt eines kontinuierlichen Aufbaus an Virtuosität, Dynamik und Aggressivität. Schreie der Verzweiflung. Versöhnung. Reminiszenz. Elegie - Lamentation. Kontemplation.

"Mondschatten" wurde vom Gedicht "Abendland" von Georg Trakl (1887 - 1914) inspiriert:

Abendland
(3. Fassung)

An Else Lasker-Schüler

 

1

Mond, als träte ein Totes
Aus blauer Höhle
Und es fallen der Blüten
Viele über den Felsenpfad.
Silbern weint ein Krankes
Am Abendweiher,
Auf schwarzem Kahn
Hinüberstarben Liebende.
Oder es läuten die Schritte
Elis' durch den Hain
Den hyazinthenen
Wieder verhallend unter Eichen.
O des Knaben Gestalt
Geformt aus kristallenen Tränen,
Nächtigen Schatten.
Zackige Blitze erhellen die Schläfe
Die immerkühle,
Wenn am grünenden Hügel
Frühlingsgewitter ertönt.

2

So leise sind die grünen Wälder
Unsrer Heimat,
Die kristallen Woge
Hinsterbend an verfallner Mauer
Und wir haben im Schlaf geweint;
Wandern mit zögernden Schritten
An der dornigen Hecke hin
Singende im Abendsommer,
In heiliger Ruh
Des fern verstrahlenden Weinbergs
Schatten nun im kühlen Schoß
Der Nacht, trauernde Adler.
So leise schließt ein mondener Strahl
Die purpurnen Male der Schwermut.

3

Strahlend nachtet die steinerne Stadt
In der Ebene.
Ein schwarzer Schatten
Folgt der Fremdling
Mit dunkler Stirne dem Wind,
Kahlen Bäumen am Hügel;
Auch ängstet im Herzen
Einsame Abendröte
Als stürzten silberne Wasser
Ins kühle Dunkel-
O Liebe, es rührt
Ein blauer Dornenbusch
Die kalte Schläfe,
Mit fallenden Sternen
Schneeige Nacht.



Dramatischer Mondschatten
Uraufführung von David Philip Hefti
Der "Mondschatten" (2006), ein neues Stück für Violine und Marimba von David Philip Hefti, hat viele Gestalten: Er ist kein körper- und wesenloses Gebilde, denn die Musik packt über weite Strecken kräftig zu und geht auf gestisch sehr direkte Weise zur Sache. Ein Werk, das vielleicht auch als Ballett getanzt werden könnte. Die so verschiedenen musikalischen Verhaltensweisen, die in "Mondschatten" anzutreffen sind, wurden alle vom Komponisten aus einem zentralen Materialkern abgeleitet. Die Spannweite des Ausdrucks führt nun von der durch leise Impulse markierten Stille des Anfangs - die Spannung, die Hefti so erzeugt, ist stark - bis zu einem dithyrambischen, wild rhythmischen Tanz, der durchaus auch eine reinigende Wirkung hat. Durch ständig sich verändernde Körperzustände, die musikalisch vermittelt werden, baut sich eine Form von eigener Logik auf, und Reprisen wirken zwingend. (...) Heftis "Mondschatten" war bei Rahel Cunz (Violine) und Jacqueline Ott Yesilalp (Marimba) bestens aufgehoben; ihre Interpretation fesselte. (Neue Zürcher Zeitung NZZ, Alfred Zimmerlin)


Intensiver Zugang zu Trakl
Besonders haften blieb David Philip Heftis "Mondschatten" (2006) nach dem Gedicht von Georg Trakl. Ein Stück mit überzeugenden Gesten, mit klaren, starken Klangideen und Emotionen. Oft rituell gesetzt und die Möglichkeiten Marimba-Violine viel mehr als bloss klanglich ausnutzend, kam da eine über weite Teile sehr genau aufgeladene Trauermusik, die es vermochte, tief in Trakls Welten einzudringen. (St. Galler Tagblatt)