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Besetzung:
Sopran, Flöte, Oboe,
Klarinette, Fagott,
Trompete, Horn,
Schlagzeug (1), Klavier,
Streichquintett (1/1/1/1/1)
Komponiert im Jahr:
2003
Dauer:
ca. 25 min.
Gewidmet:
Rubens Russomano Ricciardi |
Uraufführung:
28. Oktober 2006
Else-Lasker-Schüler-Forum, Zürich
Sylvia Nopper, Sopran
Zürcher Kammerensemble
David Philip Hefti, Leitung
Verlag:
Edition Kunzelmann GmbH
Aufnahme:
CD TENET (telos TLS 126)
Sylvia Nopper, Sopran
Zürcher Kammerensemble
David Philip Hefti, Leitung
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Beschreibung:

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Die 4 Lieder für Sopran und Ensemble "TENET" wurden 2003 im Auftrag der Stiftung Dr. Robert und Lina Thyll-Dürr (Schweiz) für das "Ensemble Mentemanuque" (Brasilien) geschrieben und sind Rubens Russomano Ricciardi gewidmet. Es ist die dritte Komposition meines 5-teiligen SATOR-Zyklus'. Diese fünf Kompositionen werden durch das gemeinsame Tonmaterial vereint, das aus dem SATOR-Quadrat abgeleitet wurde und den Werken als Keimzelle dient, aus der sich alle Parameter der Musik und die formalen Strukturen entwickeln.
In den vier Binnensätzen von TENET habe ich vier Gedichte der expressionistischen jüdischen Lyrikerin Else Lasker-Schüler (1869 - 1945) vertont: Weltende, Versöhnung, Leise sagen - und Weltflucht. Diese Sätze werden von einem Pro- und einem Epilog umrahmt, die je ein Zitat Else Lasker-Schülers enthalten. Dieses Zitat (es ist dasselbe im Pro- wie im Epilog) verwendete sie als Einleitung eines Vortrages, den die Dichterin Mitte März 1939 im Zürcher Zunfthaus "Zur Meise" hielt. In besagtem Zunfthaus kreuzen sich die Biographien der Dichterin und meiner selbst; 1939 hielt sie in Zürich, der ersten Station ihres Exils, einen letzten Vortrag, bevor sie nach Palästina übersiedelte. In den wunderbaren Hallen dieses alten Zunfthauses, das sich ganz in der Nähe meines Wohnhauses befindet, durfte ich schon verschiedene Kammermusikkonzerte geben. Es folgen einige Erläuterungen zu den einzelnen Sätzen:
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I. Prolog
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| "Und doch ist es kalt geworden und herzlos auf Erden, Menschen rücken näher zusammen, Seele lehnt sich bange an die andere." |
Im kurzen Prolog werden drei der wichtigsten Motive der ganzen Komposition sowie der Hauptrhythmus, der wie ein Leitmotiv alle Sätze prägt, vorgestellt. Die Solo-Sopranistin verwendet in diesem Satz nur ihre Sprechstimme und rezitiert die erwähnte Einleitung des Vortrages Else Lasker-Schülers vom März 1939 in Zürich. |
II. Weltende
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Es ist ein Weinen in der Welt,
als ob der liebe Gott gestorben wär,
und der bleierne Schatten, der niederfällt,
lastet grabesschwer.
Komm, wir wollen uns näher verbergen ...
Das Leben liegt in aller Herzen
wie in Särgen.
Du! wir wollen uns tief küssen -
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
an der wir sterben müssen.
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Eine Harmoniesequenz, die aus den Buchstaben TENET abgeleitet ist und in der gesamten Komposition immer wieder in Erscheinung tritt, begleitet die expressive Sopranpartie. Die Temporelationen sind in diesem Satz simpel gehalten: einfaches Tempo (Sekundenpuls) sowie doppeltes Tempo. Zudem tritt ein exponiert geführtes Klavier in den Dialog mit der Solistin.
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III. Versöhnung
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Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen ...
Wir wollen wachen die Nacht,
In den Sprachen beten,
Die wie Harfen eingeschnitten sind.
Wir wollen uns versöhnen die Nacht -
So viel Gott strömt über.
Kinder sind unsere Herzen,
Die möchten ruhen müdesüß.
Und unsere Lippen wollen sich küssen,
Was zagst du?
Grenzt nicht mein Herz an deins -
Immer färbt dein Blut meine Wangen rot.
Wir wollen uns versöhnen die Nacht,
Wenn wir uns herzen, sterben wir nicht.
Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen. |
Dieser Satz beginnt mit kurzatmigen Motiven, die einen vierstimmigen Umkehrungskanon umspielen, der in ein riesiges Glissando mündet. Tanzende Leggiero-Takte und dunkle Momente wechseln sich ab und führen in ein versöhnliches Tranquillo, gefolgt von einer Coda, in der Sprechgesang vorgeschrieben ist. Die Tempi stehen im Verhältnis des Goldenen Schnittes zueinander (84 : 52 : 32).
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IV. Leise sagen -
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Du nahmst dir alle Sterne
Über meinem Herzen.
Meine Gedanken kräuseln sich,
Ich muß tanzen.
Immer tust du das, was mich aufschauen läßt,
Mein Leben zu müden.
Ich kann den Abend nicht mehr
Über die Hecken tragen.
Im Spiegel der Bäche
Finde ich mein Bild nicht mehr.
Dem Erzengel hast du
Die schwebenden Augen gestohlen;
Aber ich nasche vom Seim
Ihrer Bläue.
Mein Herz geht langsam unter
Ich weiß nicht wo -
Vielleicht in deiner Hand.
Überall greift sie an mein Gewebe.
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Leise sagen - wird von einem Instrumental-Trio eingeleitet: Violine, Klarinette und Klavier führen in ein Meer aus Streicherflageoletten, über das sich der Solo-Sopran melismatisch erhebt (alle anderen Sätze sind syllabisch komponiert). Flöte und Fagott haben eine eigenständige Flageolett-Stimme; alle anderen Instrumente imitieren die Solo-Stimme kanonisch. Nach einer Generalpause folgt der wohl ausdrucksvollste Teil der gesamten Komposition: Warme Harmonien begleiten den lyrischen Sopran, der wiederum kanonisch imitiert und ergänzt wird.
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V. Weltflucht
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Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht ists schon zu spät zurück.
O, ich sterbe unter euch!
Da Ihr mich erstickt mit euch.
Fäden möchte ich um mich ziehen
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Zu entfliehn
Meinwärts.
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Weltflucht ist der kontrastreichste Satz der ganzen Komposition. Wilde, laute, schnelle und von Taktwechseln geprägte Passagen wechseln sich mit ruhigen, langsamen und lyrischen Stellen ab. Die Instrumente bedienen sich hier der Luftgeräusche, Slaps, Mehrklänge, perforierter Klänge und anderer Effekte. Lautmalerische Abschnitte führen in ein "Finale furioso", das die Grenzen des Stimmumfangs zu sprengen droht. Die Tempi stehen im Drittelsverhältnis zueinander.
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VI. Epilog
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| "Und doch ist es kalt geworden und herzlos auf Erden, Menschen rücken näher zusammen, Seele lehnt sich bange an die andere." |
Der Epilog bildet das Pendant zum Prolog. Auch in diesem Satz verwendet die Solo-Sopranistin nur ihre Sprechstimme und nimmt dieselben Worte wie im Prolog wieder auf. Ein letztes Mal zeigen sich die wichtigsten Motive, bevor ein instrumentales Klagelied die Komposition ausblendet.
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Das Herzstück der CD ist aber zweifelsohne "Tenet", das Hefti als dritten Teil seines fünfteiligen Sator-Zyklus' ausweist. Es handelt sich um einen Liederzyklus für Sopran (eine brillante Sylvia Nopper) und Ensemble (Zürcher Kammerensemble unter Leitung des Komponisten). "Tenet" ist im Auftrag der Schweizer Thyll-Dürr-Stiftung für das brasilianische Ensemble Mentemanuque geschrieben worden und ist ein echter Wurf. Der Zyklus überzeugt sowohl dank hoher formaler Geschlossenheit als auch der Meisterschaft in der klanglichen Umsetzung der zugrunde liegenden Gedichte Else Lasker-Schülers. Zahlreiche orchestrale Farben erweitern den expressiven Orchesterklang in die Extreme von Dynamik, Tonumfang und Klanglichkeit. Letztere scheint phasenweise Assoziationen an elektroakustische Musik oder die Musique Spectrale Gérard Griseys zu wecken und von der Singstimme als eine Art Cantus firmus zu einem stimmigen Ganzen gefasst zu werden. (Codex Flores, cf)

Mit ideeller Unterstützung und Empfehlung der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, Wuppetral (D)

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